spielraum leerraum

24. September 2005

“nicht mehr _ noch nicht” :: dokumentarfilm

diesen film sollte man sich ansehen, denn es geht um ein brisantes thema: das schrumpfen unserer städte. doch der film deprimiert nicht, er zeigt lösungsansätze, die lust darauf machen weiterzudenken. man kommt aus dem kino und überlegt noch stundenlang, wo es in der näheren umgebung freiflächen gibt und wie man mit ihnen spielen könnte.

“nicht mehr”

die stadt wächst nicht mehr, sie schrumpft. deindustrialisierung und bevölkerungsflucht reißen tiefe löcher ins stadtgefüge. überall, sei es in leipzig, bremen, liverpool oder amsterdam, bestimmen leerstehende häuser und geschäfte, verlassene plattenbauten und brachliegende areale ganze stadtteile. investoren, die den umbau dieser brachen anpacken könnten, sind vorerst nicht in sicht.

das problem der stadtschrumpfung ist so neu, dass erfahrungen, regeln und konkrete lösungsansätze gänzlich fehlen. wie soll man mit diesen flächen in der übergangszeit, bis zu ihrem umbau, umgehen? die ratlosigkeit bei bürgern, planern und stadt ist groß.

“noch nicht”

die leerräume können aber großes potenzial bieten. unter einer voraussetzung: die menschen müssen den raum besetzen, müssen ihn für sich entdecken.

ein paar pionierprojekte gibt es schon - wie das “hotel neustadt” in halle-neustadt. einem leer stehenden plattenbau wird für die zeit eines festivals städtisches leben eingehaucht. individuell gestaltete hotelzimmer und verschiedene aktionen, wie ein minigolfparcours durch die alte bausubstanz, machen diesen ort für die anwohner wieder lebens- und liebenswert.

übrigens: ein initiator der aktion ist benjamin förster-baldenius, der die berufsbezeichnung “darstellender architekt” trägt. ein indiz dafür, dass es wohl auch an der zeit ist, die klassische rolle des architekten mal zu überdenken.

der film lief vor kurzem in der reihe “architektur und verzweiflung” im münchner werkstattkino. in der gleichen reihe wurde auch ein tati-film gezeigt, da war das kino voll besetzt. “nicht mehr _ noch nicht” hatte fünf zuschauer. eine nostalgische flucht in die probleme von gestern? :-)

weiterlesen:
http://www.nichtmehrnochnicht.de/
www.hotel-neustadt.de/
www.mdr.de/kultur/945064.html