der weinende wohnwürfel

6. November 2005

micro-compact-home :: studentenstadt freimann

„ich will das nicht anziehen“, weint der winzige wohnwürfel und windet sich. „aber der onkel möchte das so, und ohne den onkel hättest du keine perspektive. sei nicht undankbar“. seine eltern stecken ihn in den blauen plakatüberwurf und schicken ihn auf den campus freimann, zu seinem ersten promotionjob. zusammen mit seinen sechs geschwistern steht er da, zwischen ihnen wehen blaue werbefahnen, die der onkel für den unwahrscheinlichen fall aufgestellt hat, dass irgendein kurzsichtiger ignorant nicht gemerkt hat, dass er hier das „o2-village“ betritt. die eltern grämen sich zu hause und träumen von einer welt, in der ihre kinder in einfarbige wände gewandet sind. in weiße wände, oder vielleicht sogar in schwarze. die eltern seufzen.

hat es sich so zugetragen? vielleicht sollte ich keine geschichten erzählen, sondern fakten. die sehen so aus: der wohnraum in münchen ist knapp. vor allem für studenten stehen nicht genug bezahlbare unterkünfte zur verfügung. die studierenden am lehrstuhl für gebäudelehre und produktentwicklung der tu münchen haben deshalb, zusammen mit dem tokyo institute of technology, eine mobile kleinstwohnung designt. verfeinert und zur serienreife entwickelt wurde das auf den namen „micro-compact-home“ getaufte häuschen dann zusammen mit dem architekturbüro haack und höpfner.

das ergebnis: alle funktionen des täglichen lebens - kochen, schlafen, arbeiten und hygiene - sind in dem wohnwürfel auf 6,8 quadratmetern untergebracht. die raumaufteilung geht hier ganz neue wege: man betritt den quader durch den nassbereich. straßendreck soll so beim nächsten duschen gleich weggespült werden. der wohnraum ist flexibel und – bei dieser wohnfläche ja auch bitter nötig - bis ins kleinste detail durchgeplant. durch schieben, klappen und ziehen entsteht zum beispiel wahlweise eine schlafgelegenheit oder sitzflächen für 5 personen.

die kleinen häuschen können mit dem pkw transportiert werden. sie sind so konzipiert, dass sie auf jeder kleinen fläche „geparkt“ und zu einer wohnanlage beliebiger größe montiert werden können.

die ersten minihäuser haben ihren parkplatz gefunden: eine wiese in der studentenstadt freimann. sechs studenten sind anfang november dort eingezogen, 150 euro miete zahlen sie. sie sollen tagebuch schreiben über das leben im würfel, damit schwachstellen gefunden und bei zeiten gelöst werden können.

die fakten klingen gut. wenn da nicht die geschichte vom weinenden wohnwürfel wäre.

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http://www.microcompacthome.com/