bauschau

11. November 2005

nena dietz :: zeitraum baustelle

mit dem potsdamer platz fing es 1995 an: interessierte berliner oder berlinbesucher pilgerten in scharen zur baustelle und zur info-box. sie konnten zusehen, wie der platz immer mehr gestalt annimmt und bekamen gleichzeitig vor ort informationen über den baufortschritt und über die pläne der stadt. seitdem haben sich begriffe wie „baustellentourismus“ und „baustellenausstellung“ etabliert, auch international. eine sehr spezielle ausstellungsform, die nena dietz jetzt in ihrer diplomarbeit „zeitraum baustelle“ untersucht.

das besondere an einer baustelle ist ja, dass sie sich ständig verändert und der bau sich immer mehr der fertigstellung nähert. das heißt, jeder besuch dieser ausstellung ist neu und anders, die vergangenheit reicht immer weiter, die zukunft wird immer konkreter. fotodokumente, modelle und simulationen geben diesen entstehungsprozess wieder und zeigen schon mal visionär das neue stadtbild.

das kann ein wichtiges marketing-instrument sein. veränderungen in der vertrauten umgebung stoßen bei anwohnern nur selten sofort auf akzeptanz. eine schmackhaft aufbereitete ausstellung, die die vorteile der umgestaltung und das verbesserte wohnumfeld präsentiert, soll ihnen die angst vor dem unbekannten nehmen. darauf spekulieren immer mehr städte.

auch münchen? ich – potentieller baustellentourist - fahre zu einem ort, der wohl einer der touristenmagneten sein sollte: das jüdische zentrum am jakobsplatz. ich strecke mich, um die bautafel hinter den bauzäunen lesen zu können. sie blickt in eine rosige zukunft: “hier entsteht ein ort der begegnung”. ein wärter patrouilliert, überwachungskameras. am zaun des riesigen areals ein kleines hinweisschild: eine ausstellung zum bauvorhaben kann man sich im stadtmuseum ansehen. praktisch: ist ja gleich neben der baustelle.

die ausstellung ist kaum zu finden, sie versteckt sich in einem nebengebäude im dunkeln und besteht aus 3 tafeln, die hauptsächlich die pläne der architekten vorstellen. an der letzten tafel wieder ein kleiner hinweis: eine ausstellung zur jüdischen architektur, in der auch dieses bauvorhaben vorgestellt wird, kann man sich im stadtmuseum ansehen. also irre ich weiter durch die räume und zahle den eintritt. eine kleine nische dieser wirklich schönen ausstellung widmet sich dann auch dem bauvorhaben am jakobsplatz. und zwar hauptsächlich den plänen der architekten.

wieder vor der baustelle betrachte ich den bauzaun. so viel schöne fläche zum spielen. die diskussionen und bürgerentscheide, zitate, der wettbewerb, die bauentwicklung, das richtfest, die zukunft. keine werbung, sondern fakten wären toll. erweiterbar, bis der bauzaun fällt. das würde dem platz während der bauzeit sicher gestalterisch gut tun. und alles wäre für den baustellentouristen vor ort erlebbar. all inclusive.

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