archiv November, 2005

schweizer weltanschauung

14. November 2005

blogprojekt “hochparterre international”

guerilla stores in amsterdam, blicke hinter die wohnungstüren in shanghai, künstlicher regen in peking. hochparterre, die schweizer zeitschrift für architektur und design, hat kulturjournalisten aus fünf städten - amsterdam, barcelona, new york, peking und shanghai - für das projekt “hochparterre international” gewinnen können. die autoren sind schweizer oder deutsche, die privates oder berufliches in die verschiedenen metropolen verschlagen hat. jeder von ihnen schreibt in seinem persönlichen blog über lokale architektur- und designthemen, aber auch über die skurrilitäten und stimmungen, die den charakter der stadt ausmachen. anfang oktober ist das projekt gestartet. mehr städte. bitte. bald.

weiterlesen:
http://www.amsterdamblog.hochparterre.ch/
http://www.barcelonablog.hochparterre.ch/
http://www.newyorkblog.hochparterre.ch/
http://www.pekingblog.hochparterre.ch/
http://www.shanghaiblog.hochparterre.ch/  

bauschau

11. November 2005

nena dietz :: zeitraum baustelle

mit dem potsdamer platz fing es 1995 an: interessierte berliner oder berlinbesucher pilgerten in scharen zur baustelle und zur info-box. sie konnten zusehen, wie der platz immer mehr gestalt annimmt und bekamen gleichzeitig vor ort informationen über den baufortschritt und über die pläne der stadt. seitdem haben sich begriffe wie „baustellentourismus“ und „baustellenausstellung“ etabliert, auch international. eine sehr spezielle ausstellungsform, die nena dietz jetzt in ihrer diplomarbeit „zeitraum baustelle“ untersucht.

das besondere an einer baustelle ist ja, dass sie sich ständig verändert und der bau sich immer mehr der fertigstellung nähert. das heißt, jeder besuch dieser ausstellung ist neu und anders, die vergangenheit reicht immer weiter, die zukunft wird immer konkreter. fotodokumente, modelle und simulationen geben diesen entstehungsprozess wieder und zeigen schon mal visionär das neue stadtbild.

das kann ein wichtiges marketing-instrument sein. veränderungen in der vertrauten umgebung stoßen bei anwohnern nur selten sofort auf akzeptanz. eine schmackhaft aufbereitete ausstellung, die die vorteile der umgestaltung und das verbesserte wohnumfeld präsentiert, soll ihnen die angst vor dem unbekannten nehmen. darauf spekulieren immer mehr städte.

auch münchen? ich – potentieller baustellentourist - fahre zu einem ort, der wohl einer der touristenmagneten sein sollte: das jüdische zentrum am jakobsplatz. ich strecke mich, um die bautafel hinter den bauzäunen lesen zu können. sie blickt in eine rosige zukunft: “hier entsteht ein ort der begegnung”. ein wärter patrouilliert, überwachungskameras. am zaun des riesigen areals ein kleines hinweisschild: eine ausstellung zum bauvorhaben kann man sich im stadtmuseum ansehen. praktisch: ist ja gleich neben der baustelle.

die ausstellung ist kaum zu finden, sie versteckt sich in einem nebengebäude im dunkeln und besteht aus 3 tafeln, die hauptsächlich die pläne der architekten vorstellen. an der letzten tafel wieder ein kleiner hinweis: eine ausstellung zur jüdischen architektur, in der auch dieses bauvorhaben vorgestellt wird, kann man sich im stadtmuseum ansehen. also irre ich weiter durch die räume und zahle den eintritt. eine kleine nische dieser wirklich schönen ausstellung widmet sich dann auch dem bauvorhaben am jakobsplatz. und zwar hauptsächlich den plänen der architekten.

wieder vor der baustelle betrachte ich den bauzaun. so viel schöne fläche zum spielen. die diskussionen und bürgerentscheide, zitate, der wettbewerb, die bauentwicklung, das richtfest, die zukunft. keine werbung, sondern fakten wären toll. erweiterbar, bis der bauzaun fällt. das würde dem platz während der bauzeit sicher gestalterisch gut tun. und alles wäre für den baustellentouristen vor ort erlebbar. all inclusive.

anschauen:
mehr bilder aus der diplomarbeit von nena dietz

weiterlesen:
http://www.n3n4.de/

der weinende wohnwürfel

6. November 2005

micro-compact-home :: studentenstadt freimann

„ich will das nicht anziehen“, weint der winzige wohnwürfel und windet sich. „aber der onkel möchte das so, und ohne den onkel hättest du keine perspektive. sei nicht undankbar“. seine eltern stecken ihn in den blauen plakatüberwurf und schicken ihn auf den campus freimann, zu seinem ersten promotionjob. zusammen mit seinen sechs geschwistern steht er da, zwischen ihnen wehen blaue werbefahnen, die der onkel für den unwahrscheinlichen fall aufgestellt hat, dass irgendein kurzsichtiger ignorant nicht gemerkt hat, dass er hier das „o2-village“ betritt. die eltern grämen sich zu hause und träumen von einer welt, in der ihre kinder in einfarbige wände gewandet sind. in weiße wände, oder vielleicht sogar in schwarze. die eltern seufzen.

hat es sich so zugetragen? vielleicht sollte ich keine geschichten erzählen, sondern fakten. die sehen so aus: der wohnraum in münchen ist knapp. vor allem für studenten stehen nicht genug bezahlbare unterkünfte zur verfügung. die studierenden am lehrstuhl für gebäudelehre und produktentwicklung der tu münchen haben deshalb, zusammen mit dem tokyo institute of technology, eine mobile kleinstwohnung designt. verfeinert und zur serienreife entwickelt wurde das auf den namen „micro-compact-home“ getaufte häuschen dann zusammen mit dem architekturbüro haack und höpfner.

das ergebnis: alle funktionen des täglichen lebens - kochen, schlafen, arbeiten und hygiene - sind in dem wohnwürfel auf 6,8 quadratmetern untergebracht. die raumaufteilung geht hier ganz neue wege: man betritt den quader durch den nassbereich. straßendreck soll so beim nächsten duschen gleich weggespült werden. der wohnraum ist flexibel und – bei dieser wohnfläche ja auch bitter nötig - bis ins kleinste detail durchgeplant. durch schieben, klappen und ziehen entsteht zum beispiel wahlweise eine schlafgelegenheit oder sitzflächen für 5 personen.

die kleinen häuschen können mit dem pkw transportiert werden. sie sind so konzipiert, dass sie auf jeder kleinen fläche „geparkt“ und zu einer wohnanlage beliebiger größe montiert werden können.

die ersten minihäuser haben ihren parkplatz gefunden: eine wiese in der studentenstadt freimann. sechs studenten sind anfang november dort eingezogen, 150 euro miete zahlen sie. sie sollen tagebuch schreiben über das leben im würfel, damit schwachstellen gefunden und bei zeiten gelöst werden können.

die fakten klingen gut. wenn da nicht die geschichte vom weinenden wohnwürfel wäre.

weiterlesen:
http://www.microcompacthome.com/

die pest - nachtrag

4. November 2005

parade der geschmacklosigkeiten

immer mehr löwen werden es in münchen. hilft ja nichts: man muss mit ihnen leben. ein kleines trostplaster gibt es aber: seinen persönlichen spitzenreiter in sachen geschmacklosigkeit kann man jetzt einreichen. und zwar auf der website http://www.paradedergeschmacklosigkeiten.de/, iniziiert vom münchner radiosender m94.5.

der könig der löwen wird in den kategorien “einfach nur häßlich” und “das verstörendste gesamtkonzept” gewählt. man kann noten von eins - “passt schon” - bis fünf - “ahh, meine augen!” - vergeben. in führung liegen momentan ein tunten-löwe und ein straps-löwe, dicht gefolgt vom mosi-löwen und vielen anderen bunten wahnsinnswerken.

die abstimmung geht mindestens bis zur wm 2006, denn man will “allen löwen - auch denen, die noch aufgestellt werden - eine faire chance bieten.”

ein kleines schmankerl gibt`s zur halbzeit, wenn die initiatoren an den beiden führenden viechern kränze niederlegen, “um an all die unschuldigen opfer dieser geschmacklosigkeiten zu erinnern.”

weiterlesen:
paradedergeschmacklosigkeiten
die pest