archiv Oktober, 2005

gedanken ai funghi

26. Oktober 2005

thomas hirschhorn :: doppelgarage

ein neonbeleuchteter innenraum. fein säuberlich aufgehängte werkzeuge, aufkleber an den wänden, pin ups - ein mann und seine werkstatt. hierher kann er sich zurückziehen, mal hier ein loch bohren, mal da ein brett zersägen.

“schatz, ich geh kurz ein bisschen basteln” - hört sich harmlos an. weit gefehlt. was so alles hinter verschlossenen hobbyraumtüren entstehen kann, zeigt die ausstellung “doppelgarage” in der pinakothek der moderne. der künstler thomas hirschhorn öffnet sein persönliches garagentor und lädt ein zu einem visualisierten streifzug durch die verstecktesten winkel seines gehirns.

man spaziert durch kleine welten mit landschaften aus pappe und plastik. riesige pilze wachsen aus den hügeln, zwischen denen spielzeugeisenbahnen ihre monotonen kreise ziehen. ein teppich aus zeitungsausschnitten pflastert die braune recyclingwelt. die bilder zeigen tod, gewalt, verzweiflung, die texte rezitieren nietzsche-interpretationen.

sehr faszinierend, sehr verstörend - und ein augenschmaus für alle pilzsammler!

weiterlesen:
pinakothek der moderne

ausstellung verlängert bis zum 29.01.2006

“total gescheitert”

4. Oktober 2005

tatort :: haus der gegenwart

ich verlasse die luitpold lounge desillusioniert und ärgere mich über mich selbst.

nach bester “tatort”-manier wollte ich natürlich die perfekte lösung nach 90 minuten. hieb- und stichfeste beweise, einen lückenlos konstruierten tathergang, einen geständigen übeltäter.

viel habe ich über den fall nachgedacht, nachdem ich den tatort im “haus der gegenwart” besucht hatte. wer ist das opfer? ist die zeit der täter, die architektur oder war es doch ein verbrechen aus leidenschaft? - alles schien mir möglich.

total gescheitert bin ich. denn: “total gescheitert” sind auch die ermittler - die “freie klasse”. der titel ihres katalogs ist programm. so auch diesmal.

sie laden in die luitpold lounge, versprechen dort die aufklärung des falls. lassen vorher noch geladene sonderermittler, vier münchner autoren, ihre ergebnisse vortragen. die geben, jeder auf seine weise, ihre eindrücke sehr anschaulich und unterhaltsam wieder. sehr lustig, wie die herren polizisten auf dem audioband von katja huber von aber auch gar nichts eine ahnung haben. nur der kollege charly scheint alles zu wissen, der ist aber nie da. oder wie eine besucherin empört ihre meinung kund tut: “so lebt man ja nicht. ich kann mir nicht vorstellen, dass die architekten das so gewollt haben.”

konkrete lösungen hat aber keiner der sonderermittler parat.

deshalb ist die spannung auch am höhepunkt, als die “freie klasse”, spurenleger und spurensucher in personalunion, ihr ergebnis vorlegen. aber was die ermittler da präsentieren, ist ein diffuser flickerlteppich an indizien, die sich irgendwo im spielhöhlen-millieu verlieren. irgendwie. oder auch ganz anders. die ermittlungen werden vorläufig eingestellt. “wir scheiterten auf der ganzen linie.” so ihr fazit.

hm. bin ich jetzt opfer? oder täter? und was ist das haus? und die gegenwart?

ich denk mal drüber nach.

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mehr bilder

weiterlesen:
“spurensuche”
http://www.freie-klasse-muenchen.de/