archiv August, 2005

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31. August 2005

wettbewerbsbeitrag “schrumpfende städte”

Es ist 7 Uhr morgens, du stehst auf, schaust aus dem Fenster deines Liverpooler Appartements im fiesesten Stadtteil und siehst - Kühe.

“COW - the udder way” ist ein prämierter Beitrag zum Wettbewerb “Schrumpfende Städte - Die Stadt neu denken”, ausgeschrieben von der Zeitschrift archplus.

Die Menschen in Liverpool zieht es raus aus der Stadt. Jeder, der es sich leisten kann, zieht in die Vorstädte oder auf`s Land. Die Stadt schrumpft, Armut und Arbeitslosigkeit steigen. Aber warum nur jammern? “COW - the udder way” will die Potentiale nutzen, die frei werdende Flächen in der Stadt bieten.

Auf den Brachflächen im Liverpooler Stadtteil Toxteth tauchen plötzlich Kühe auf. Zehn Tage lang machen sie das, was sie am besten können. Grasen, gemolken werden, Kuhfladen produzieren. Die dadurch gewonnenen Produkte - Milch, Butter, Dünger - werden an die Nachbarschaft abgegeben, im Tausch mit Ideen, Kaffee oder Hilfe im Stall. Es gibt keinen Ablaufplan, die Akteure warten einfach ab, welche Eigendynamik sich entwickelt, wie die Bevölkerung reagiert.

Auf Kühe wurde auch deshalb zurückgegriffen, weil lokale Milchwirtschaft mit einer Kuh im Hinterhof noch bis in die 50er Jahre zum Stadtbild von Liverpool gehörten. In den Köpfen der älteren Anwohnern werden sofort Erinnerungen geweckt.

Das Projekt soll zeigen dass Selbstversorgung auch heute in Städten möglich ist, wenn Ressourcen vorhanden sind, kollektive Hilfe und vor allem frei verfügbares Land. Es wirft die Frage auf, ob man wirklich warten muss, bis einem irgendwelche Geldgeber irgendwelche Gebäude vor die Nase stellen, oder ob brachliegendes Land nicht eine Spielwiese für eigene Ideen ist. Und ob es nicht Aufgabe der Stadt ist dabei behilflich zu sein.

weiterlesen:
http://theudderway.info/
http://www.archplus.net/

hingehen:
Ausstellung der prämierten Projekte
26.11.05-29.1.06, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig